Weihnachten

Das heute in Deutschland übliche Weihnachtsfest in der Familie mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsliedern, Krippe, Geschenken und einem Gottesdienstbesuch ist eine kulturelle Ausformung der Bürgerfamilie des 19. Jahrhunderts. Die volkskundliche und germanistische Forschung, u. a. die Gebrüder Grimm, vermuteten bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, diese Tradition müsse schon sehr alt sein, und versuchte, eine Kontinuität bis in das germanische Altertum zu konstruieren. So wurden die Weltenesche des germanischen Mythos oder der Mittwinterbaum als unmittelbare Vorläufer des Weihnachtsbaumes angesehen. Dies lag auch auf der Linie des Nationalsozialismus, der das Weihnachtsfest zum germanischen Julfest umzufunktionieren versuchte. Das gilt auch für die im Weihnachtsbrauchtum beteiligten Personen. So wurde Knecht Ruprecht vom Göttervater Odin abgeleitet. 

Der Weihnachtsbaum

weihnachten/weihnachtsbaum (0 KB)Der mit Kerzen geschmückte Lichterbaum ist heute zentrales Element der familiären Weihnachtsfeier. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war er nur an Fürstenhöfen zu finden, dann in der bürgerlichen Oberschicht. Beim Kleinbürgertum wurde er nicht zuletzt dadurch populär, dass der preußische König im Krieg 1870/71 gegen Frankreich Weihnachtsbäume in den Unterständen und Lazaretten aufstellen ließ. Danach verbreitete sich der Weihnachtsbaum weiter und erhielt die heute als selbstverständlich empfundene zentrale Rolle im Zeremoniell der häuslichen Familienfeier (Kinder stehen vor der verschlossenen Tür, die Kerzen am Baum werden angezündet, die Tür wird geöffnet, gemeinsames Singen, gemeinsames Öffnen der Geschenke, gemeinsames Mahl).

Das Christkind

Früher hat der heilige Nikolaus den Kindern die Gaben zu Weihnachten gebracht.

Die Kunstfigur des Christkindls (auf Bildern meist mit Engelsflügeln dargestellt) wurde seinerzeits von Martin Luther erfunden, der damit sein Vorhaben, den heiligen Nikolaus abschaffen zu wollen, untermauerte. So wurde allgemein das Christkindl zum Gabenbringer für die Kinder.

Es bringt die Geschenke heimlich in der Dämmerung des 24. Dezembers und wenn man genau hinhört kann man sein silbernes Glöckchen läuten hören. Das ist das Zeichen, dass das Christkindl schon da war und die Kerzen am Weihnachtsbaum angezündet hat.

In den Evangelischen Kreisen wurde das Christkindl meist durch den Weihnachtsmann ersetzt. In katholischen Familien ist das Christkindl dagegen als Geschenkebringer auch heute noch ein Muss und nicht mehr wegzudenken.

Der Nikolausweihnachten/weihnachtsmann (0 KB)

Ab 17. Jht. grassiert der Brauch, dass der Nikolaus mit einem Begleiter (später wurde daraus der Krampus) die Kinder beschenkte oder auch schon mal wegen ihres unchristlichen tun tadelte! Er ist unter Ruprecht, Knecht Nikolaus, Nickel, Pelznickel, Pelzmäntel, Hanz Muff, Hanz Trab oder eben Krampus bekannt. Heute kommt der Nikolaus meist ohne Krampus (da es nur mehr brave Kinder gibt), zu den Kleinen und befragt sie, ob sie denn "auch stets brav gewesen" sind.

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Weihnachten in anderen Ländern

Frankreich

Der französische Weihnachtsmann heißt Père Noël. Anders als der amerikanische Santa Claus tritt er nicht in Jacken und Hosen auf, sondern trägt ein langes, rotes Gewand mit Zipfelmütze. Seine Geschenke trägt er nicht in einem Sack, sondern in einer hotte (Korb) auf dem Rücken, ähnlich wie bei der Weinernte. Die Kinder stellen ihre Schuhe vor die Tür. Ein beliebtes Weihnachtslied der französischen Kinder ist „Petit Papa Noël“.
In Ostfrankreich, besonders Elsaß und Lothringen, tritt, um den 6. Dezember herum, der Nikolaus in Begleitung seines schwarzgekleideten Helfers, des Père Fouettard, in Erscheinung.

Belgien und Niederlande

Der Sinterklaasavond (Nikolausabend) bleibt in den Niederlanden wichtiger, obwohl die Niederländer in den letzten Jahren ebenfalls begonnen haben, den Weihnachtsabend mit dem Weihnachtsmann zu feiern. Dies löst jedes Jahr eine kleine Kontroverse darüber aus, ab wann es angemessen ist, Weihnachten zu feiern. Ladenbesitzer beginnen mit der lukrativen Weihnachtszeit gleich nach dem Nikolaustag (Dekorationen hängen meist schon vorher), während andere befürchten, dass das „fremde“ und „kommerzielle“ Weihnachten die Nikolausfeiern zu sehr beeinträchtigt. Da der amerikanische Santa Claus nachweislich von Sinterklaas abstammt, tritt er hier also in Rivalität zu seinem Vorfahren.
Der niederländische, aber auch belgische, Sinterklaas wird wie der deutsche Nikolaus von einem Helfer namens Zwarte Piet (=Schwarzer Peter) begleitet. Er trägt einen Bischofshut und stützt sich auf einen gekrümmten Stab. Man sagt von ihm, dass er das Jahr über in Spanien lebt und Mitte November mit einem Dampfschiff in den Niederlanden eintrifft, was in vielen Küstenorten jeweils nachgespielt wird. Kinder lassen ihre Schuhe vor dem Nikolausabend draußen, um sie am Morgen mit Süßigkeiten gefüllt zu finden. Dementsprechend sind der 5. Dezember in den Niederlanden und der 6. Dezember in Belgien als eigentliche Geschenktage anerkannt, während der 25. Dezember mehr ein religiöses Ereignis ist.

Großbritannien und Irland

Die Weihnachtstraditionen auf den Britischen Inseln wurden auch von ihren ehemaligen Kolonien in Nordamerika, Australien oder Neuseeland übernommen. An Heiligabend (Christmas Eve) werden die Geschenke durch den Weihnachtsmann, der hier Father Christmas heißt, unter den Weihnachtsbaum geliefert. Den Briten erscheint ihre Bezeichnung für den Weihnachtsmann als formeller als die amerikanische Version des Santa Claus. Am Weihnachtstag (Christmas Day) kommen Familien und manchmal auch Freunde zu einem traditionellen Weihnachtsmahl zusammen. An Weihnachten wird häufiger als in einer durchschnittlichen Jahreszeit ferngesehen und für viele Fernsehstationen ist der Heiligabend der quotenträchtigste Tag des Jahres. Viele Briten verfolgen auch heute noch die jährliche Weihnachtsansprache der Königin. Eine der meist gehörten Radiosendungen ist die seit Jahrzehnten live übertragene nachmittägliche Feier der »Nine Lessons and Carols« aus dem King's College, Cambridge. Auch am 26. Dezember wird weiter gefeiert: Der Boxing Day in Großbritannien beziehungsweise St. Stephen's Day in Irland ist eine Erweiterung des Weihnachtsfests, hat aber historische und religiöse Wurzeln im Fest des heiligen Stephanus.

Russland

In Russland und den anderen slawischen Ländern Osteuropas kennt man die Tradition des Ded Moros (Дед Мороз, Väterchen Frost), der von seiner Enkelin Snegurotschka (Schneemädchen, Schneeflöckchen) begleitet wird. Nach einer Legende reitet er in einer Troika, einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird und bringt den Kindern Geschenke.
Weihnachten wird in Russland am 7. Januar (entspricht im Julianischen Kalender dem 25. Dezember) gefeiert. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung durch die Kommunisten wird das russische Weihnachten seit 1992 wieder belebt. Es dreht sich um das „Heilige Mahl“ an Heiligabend, das aus zwölf Gerichten besteht, für jeden Apostel Jesu eines. Durch die Verlegung von Weihnachtsbräuchen, einschließlich des Besuchs von Väterchen Frost und des Schneemädchens, auf den Neujahrstag, konnten sie am Leben erhalten werden. Viele russische Weihnachtsbräuche, wie etwa der Weihnachtsbaum (ёлка – jolka) gehen auf die Reisen Peters des Großen im späten 17. Jahrhundert zurück.

USA

In den USA gilt Weihnachten (Christmas, oft auch X-mas oder Yule genannt) als großes Geschäft, obwohl wegen der Multikulturalität des Landes ein großer Wert darauf gelegt wird, politisch korrekt zu sein und möglichst nur Season Greetings, also allgemeine Grüße zum jeweiligen Fest den Freunden und Verwandten zu schicken. Oft gibt es Versuche, das jüdische Chanukka, das afroamerikanische Fest Kwanzaa und andere Winterfeste im Handel mit Weihnachten zu verbinden.
Trotzdem ist es ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Kultur. Mit einem Anteil von 96%, sowohl Christen wie Nicht-Christen, die 2004 in einer Umfrage  angaben, Weihnachten zu feiern, ist dies ein wichtiges Datum im Kalender. Sowohl religiöse als auch säkulare Symbole wurden in den Katalog der vielfältigen amerikanischen Weihnachtstraditionen aufgenommen, die sich auch in themenbezogenen Filmen (Grinch, A Christmas Carol, Kevin allein zu Haus etc.) und Fernsehshows widerspiegeln. Dazu zählen der vom Nordpol kommende Santa Claus als bekannter amerikanischer Weihnachtsmann, Weihnachtsbäume, Weihnachtskarten, Weihnachtslieder, Weihnachtskrippen, elektrische Lichterketten, Geschenke und Küsse unter dem Mistelzweig.

Spanien

In Spanien sind es traditionell die Heiligen Drei Könige, die den Kindern am 6. Januar an Stelle des Weihnachtsmanns oder des Christkinds Weihnachtsgeschenke bringen, wobei die unartigen Kinder statt Geschenken nur Kohlestücke erhalten. Hierzu wird in vielen spanischen Städten die Ankunft der Drei Könige in Form eines Umzugs am 5. Januar gefeiert. Die drei Könige kommen nicht selten auf Kamelen angeritten. Die Kinder müssen für sie am Vortag Wasser und Brot vor die Tür stellen.
Des Weiteren werden in Spanien traditionell keine Weihnachtsbäume aufgestellt, sondern die Wohnungen lediglich mit Weihnachtskrippen geschmückt. In den Straßen hängen Lichterketten mit Glückwünschen oder Sterndekorationen zwischen den Häuserzügen.
Seit den 1980er Jahren kommen allerdings verstärkt mitteleuropäische und angelsächsische Traditionen wie der Weihnachtsbaum auf. Ein weiterer Grund für die Beschenkung durch den Weihnachtsmann am 24. Dezember ist, dass spanische Schulkinder ihre Geschenke so zu Beginn der Ferien erhalten und Zeit zum Spielen haben, was bei einer Beschenkung durch die Heiligen Drei Könige am letzten Ferientag weniger der Fall ist.
Am 22. Dezember findet in Spanien alljährlich die ausgesprochen beliebte Weihnachtslotterie Sorteo de Navidad statt.
 

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